Das Herz einer Liebenden

you weaseled your way into my heart. I know it’s wrong to have favourits, but you were mine and always will be.

 Wir alle haben Liebesbeziehungen. Sei es mit einer Frau, mit einem Mann, einem Bruder, einer Schwester, Eltern oder Freunden. Die Liebe fühlt sich verschieden an und doch liebt man jeden Menschen auf die gleiche Art und Weise – jeder Baum hat Wurzeln, jedoch reichen nicht alle gleich tief. Hier in Kapstadt habe ich die wohl tiefste Wurzel meines persönlichen Baumes gefunden und spüre jetzt, wie tief diese reicht. Es ist die zu tiefste Liebe zu einem Kind. Mir ist bewusst, dass es als Caregiver falsch ist, ein Kind mehr zu lieben als alle anderen, jedoch kann man die Liebe nicht beherrschen und nicht beeinflussen, wie tief ein Mensch in deine Wurzeln eindringt. Man liebt, weil man liebt. Dafür gibt es nicht immer einen Grund. Dieses Mädchen hat sich im Verlauf der Zeit zu der tiefsten Wurzel meines Baumes entwickelt. Ihr Lachen war nichts anderes als ein wetterleuchtendes Aufblitzen ihrer Seelenfreude, ein Aufzucken des Lichtes nach draussen, so wie sie von innen gestrahlt hat. Ich bin selber keine Mutter, behaupte jedoch jetzt die bedingungslose Liebe eines Elternteils zu seinem Kind nachfühlen zu können.

When I tell her „I love you“, I don’t say it out of habit; I say it to remind her that she’s the best thing that ever happened to me.

Der Grund warum ich euch diese Geschichte erzähle, ist wahrscheinlich die Verzweiflung die mich im Moment treibt. Dieses kleine Mädchen (1,5 Jahre alt) – ich darf ihren Namen zu ihrer Sicherheit nicht öffentlich bekannt geben – hat Mitte Februar das Kinderheim verlassen. Sie wurde von ihrer Tante zu sich nach Hause geholt, wo bereits ihre zwei älteren Brüder untergebracht sind. Ich schöpfte Trost aus dem Wissen, dass sie bei ihrer Familie ist und es schliesslich keinen besseren Platz gibt als die behütete Stube der Familie. Ich ermutigte mich, schenkte mir selber die Kraft, weiterhin mit Freude zur Arbeit zu gehen trotz des Wissens, dass sie nicht auf mich zu gerannt kommen würde, nicht mehr ihren Snack mit mir teilen wird und nicht mehr ihre Grimassen mit mir übt. Dass sie nicht mehr Mama Lou schreien wird.

Aber nur weil sie nicht mehr in meinem Heim war, bedeutete dies für mich nicht, dass ich sie aufgeben würde. Ich kämpfte länger als zwei Wochen mit Sozial Arbeitern, telefonierte gefühlte Stunden und wurde immer wieder entgeistert von Rückschlägen. Aber ich schöpfte Kraft auf meinen Träumen. Nur wer Mut zum Träumen hat, hat auch die Kraft zum Kämpfen.

Und dann letzten Donnerstag der Erfolg: Ich erhielt die Nummer der Tante, welche ich auch direkt anrief. Sie nannte mir ihre Adresse und erklärte sich bereit, mich am Samstag zu empfangen. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie bitter mich der Schlag ins Gesicht treffen würde.

Mut – die Haltung, dass man auf Gefahren zugeht und etwas tut, obwohl man Angst hat.

Ich brauchte viel Mut als ich schliesslich am Samstag an der genannten Adresse auftauchte. Es ist in Worten schwer zu beschreiben, was in mir vorging als ich den Innenhof dieser Flats betrat und begann die Umgebung wahrzunehmen. Ausserhalb eines Stadtviertels von Kapstadt befindet sich eine grosse Überbauung mit ca. 30 Häusern an jeweils etwa 40 Wohnungen. Konzipiert wurden diese Räume eigentlich für zwei bis vier Personen – ich betrat eine Wohnung mit ca. zwölf Bewohnern, was kein Ausnahmefall ist. Diese Flats sind modernisierte Slums, die sich eigentlich nur in der Behausung unterscheiden von den klassischen Blechhütten der bekannten Slums. Auch sie werden von allen Anwohnern der Umgebung gemieden – ausser von mir. Bereits als ich in der Umgebung nach dem Weg fragte, rieten mir die Menschen zu höchster Vorsicht. Ich solle den Ort so schnell als möglich wieder verlassen, eigentlich am besten gar nicht erst einen Fuss auf das Areal der Flats setzen. An dieser Stelle möchte ich kurz anmerken, dass ich mit bewusst bin, dass meine eigene Sicherheit erste Priorität hat. Ich betrat diesen Ort nur, weil eine Mitfreiwillige beim Auto auf mich wartete und ich das Haus von der Strasse die um diesen Komplex herumführte bereits sah.

Die Überbevölkerung dieser „Siedlung“ machte sich bereits auf dem Hof zwischen den Häusern bemerkbar. Hunderte von Menschen tummelten sich im Schatten der Häuser herum, Kinder spielten mit Bällen, Frauen hingen die Wäsche auf  und Jugendliche unterhielten sich. Ihre Gespräche unterbrachen sie abrupt, als sie mich erblickten. Die Frauen schauten hinter den Wäscheleinen hervor und die Kinder stoppten ihre Ballspiele. Ich wurde angestarrt – weiss, blond, europäisch…anders, speziell. Die Rufe von teilweise beleidigenden Wörtern liessen nicht lange auf sich warten und ich wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte. Sollte man ignorant sein? Einfach weiter laufen ohne auch nur den Kopf zu heben? Sollte man zurück grüssen? Ich beschloss mich, einfach freundlich zu lächeln und mir meine Angst nicht ansehen zu lassen. Hätte ich weiter zu Boden geschaute, hätten die Menschen sofort bemerkt, dass ich unsicher war. Also, Brust raus, Schnauze hoch und freundlich lächeln. Ich war so darauf konzentriert, die Hausnummer zu finden, dass ich genauere Details meiner Umgebung gar nicht richtig wahrnahm. Eine Frau welche mir auf dem Hof entgegen kam half mir schliesslich, die richtige Wohnung zu finden, bei welcher die Tür weit offen stand. Ich wurde hereingebeten.

  • Der erste Eindruck wurde mir von meiner Nase geschenkt: Alkohol, Zigaretten, Marihuana.
  • Der zweite Eindruck erhielt ich von meiner Haut: ein Gedränge durch eine Menge von Menschen, welche sich alle auf kleinstem Raum befanden.
  • Eindruck Nummer Drei: Inmitten der Menge entdeckte ich mein Mädchen. Schweigsam sass sie auf dem Schoss einer Frau (ihrer Tante, wie sich später herausstellte).

Die ersten beiden Eindrücke konnte ich erst zu einem späteren Zeitpunkt erfassen. Alles was ich in diesem Moment vor mir sah und Relevanz hatte, war SIE. Ich hatte sie gefunden – den ersten Teil des Kampfes gewonnen.

Mit einem Lächeln und emporgestreckten Armen löste sie die ganze Angst in mir und ich wusste wieder, warum ich so hart gekämpft hatte. Sie erkannte Mama Lou. Aber schnell musste ich mir eingestehen, dass sie sich verändert hatte seit ich sie das letzte Mal vor knapp zwei Monaten gesehen hatte. Die Lebensfreude, welche sie mit endlosem Gebrabbel und lauten Umlauten zur Geltung gebracht hatte, war verschwunden. Ihr Lachen war nicht mehr ein wetterleuchtendes Aufblitzen ihrer Seelenfreude, kein Aufzucken des Lichtes nach draussen, so wie sie von innen gestrahlt hatte. Sie wirkte passiv, müde…ist dies erstaunlich bei einem Kind, welches sich in einem Raum befindet mit Menschen die Marihuana konsumieren? Die Antwort erübrigt sich.

Ich unterhielt mich kaum mit der Tante. Sie zeigte kein Interesse daran, mehr über mich als Person zu erfahren oder meine Interessen an dem Kind. Es herrschte eine Gleichgültigkeit. Ich bat sie, mir auch in Zukunft zu erlauben, dass Mädchen sehen zu dürfen. Sie willigte ohne eine einzige Frage ein.

Ich verliess die Wohnung eine Viertelstunde später wieder, weil ich meine Mitfreiwillige nicht zu lange alleine beim Auto lassen wollte und den Rat der Menschen im Hinterkopf hatte, mich nicht länger als nötig dort aufzuhalten. Erst als ich den Hof ein zweites Mal überquerte und mit dem Blick meinen Füssen folge, entdeckte ich die Scherben von Alkoholflaschen – die Überreste von verbranntem Müll – die tausenden Zigarettenstummel – die Löffel, Alufolie und die Spritzen. Und inmitten von all dem; tobende Kinder.

Ich hätte spuken können. Ich hätte schreien können. Ich hätte weinen können. Am liebsten hätte ich Augen, Ohren und Nase verschlossen; aber am liebsten hätte ich mein Herz für einen kurzen Moment von all diesem Scherz welcher sich unaufhaltsam seit dem Betreten dieses Geländes in mir breit gemacht hatte, befreit.

Perspektive – die Möglichkeiten, die sich in der Zukunft bieten

Und inmitten von all diesem Dreck, diesem Elend und der Macht von Drogen und Alkohol, wachsen mein Mädchen und ihre beiden Brüder jetzt auf. Wie gut ihre Chancen und Perspektiven auf ein Leben ausserhalb von Elend und Armut sind, könnt ihr euch selber ausmalen. Was mich auch immer noch beschäftigt ist die Gleichgültigkeit der Tante. Ich will ihr nicht unterstellen dass sie dieses Kind nicht liebt, aber sie erklärte sich ohne eine einzige Frage bereit, mir dieses Kind für Tagesausflüge mitzugeben. Nur weil ich eine weisse, junge, europäische Frau bin bedeutet dies noch lange nicht, dass ich ihr das Kind auch auf Garantie wieder zurück bringen würde. Was würde sie tun, wenn ich ihr das Kind plötzlich eines Tages nicht mehr zurück bringe? Sie wüsste wahrscheinlich nicht einmal meinen Namen. Und diese Gleichgültigkeit einem Kind – meinem Mädchen – gegenüber raubt mir beinahe den Verstand. Sie hat es verdient geliebt zu werden – wie jedes Kind auf dieser Erde.

Machtlosigkeit – nicht mehr fähig, etwas zu tun oder zu unternehmen, besonders weil der Gegner zu stark ist

Akzeptieren – eine Person oder eine Sache in ihrer Eigenart annehmen

Ich kann ihr nicht helfen. Ich bin machtlos. Ich muss lernen die Situation zu akzeptieren und anzunehmen. Ich muss lernen, dass ich mein Mädchen dort nicht rausholen kann und ihr nicht ermöglichen kann, was sie verdient hätte. Das einzige was ich ihr im Moment geben kann, sind ein paar schöne Wochenenden ausserhalb der Flats. Ich kann ihr meine Liebe, meine komplette Aufmerksamkeit und ein Lachen schenken – und ich weiss, dass es für sie genug sein wird. Ich werde die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich plötzlich neue Türen für sie öffnen – und vielleicht kann ich dazu beitragen, eine solche einen Spalt weit aufzuschieben.

Wer sagt, es gibt keine Wunder auf dieser Erde, hat noch nie die Geburt eines Kindes erlebt. Wer sagt, Reichtum ist alles, hat noch nie ein Kind lächeln gesehen. Wer sagt, diese Welt sei nicht mehr zu retten, hat vergessen, dass Kinder Hoffnung bedeuten.

unbekannt

 Much love…xxx

 

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Wanderlust

Reisen ist in der Jugend ein Teil der Erziehung, im Alter ein Teil der Erfahrung.

Sir Francis Bacon

 Ein Zitat, das ich vor sehr langer Zeit einmal gelesen habe und es zu diesem Zeitpunkt nicht zu verstehen gewusst habe. Jetzt sitze ich hier und schreibe meinen Blogg – geschmückt mit einem Lächeln der tiefsten Zufriedenheit. Ich habe gelernt, es nicht nur oberflächlich zu verstehen, sondern es in seinem tiefsten Sinn zu fühlen. Ich habe selber erlebt was es bedeutet, einmal eine Auszeit zu geniessen von Alltag, Sorgen und Verantwortungen. Einmal komplett frei zu sein, unabhängig und voller Elan auf einen neuen Abschnitt. Erinnerungen, welche uns niemand mehr nehmen kann und welche uns für immer begleiten werden. Du sitzt vor einem leeren Blatt Papier und bist bereit, deine eigenen Erinnerungen zu schreiben. Wir sind reicher geworden, wenn auch nicht finanziell gesehen. Reicher geworden in einer Weise, welche für das Leben viel bedeutender ist – im Herzen.

  • „Fenster auf, es ist heiß wie in ´ner verdammten Sauna hier drin! And please: Make some music DJ!“
  • – SHUMAYA,SHUMAYA, SHUMAYAYEEEE HE HE HE ….. –
  • „Danki“
  • „Musst noch abschließen, und erstmal Beach Road, dann mach ich das Navi an…“
  • „LOU…“
  • „JANNNNA?“
  • „Wir sind auf dem WEEEEEG“
  • „JAMAN let´s get started!!“

Ein unbeschreiblicher Moment wenn du im Auto sitzt, es nach langem Warten endlich soweit ist und du dich mit einem wunderbaren Menschen an deiner Seite (in meinem Fall war es meine Mitfreiwillige Janne „my fav german girl“) in ein Abenteuer stützen kannst. Ich habe auf dieser Reise mit Janne viel über mich, über sie, die Zeit und die Bereicherung des Reisens gelernt. Und deshalb zuerst einmal:  DANKE JANNE, WARST/BIST DU AN MEINER SEITE!

Es gibt kein sichereres Mittel festzustellen, ob man einen Menschen mag oder nicht, als mit ihm auf Reisen zu gehen.

Mark Twain

Die Reise Route ist an dieser Stelle gar nicht so wichtig, deshalb hier nur kurz unsere Stopps: Cape L’Agulhas, Oudtshoorn, Knysna, Plettenberg Baai, Jeffreys Bay, Wilderness

Zu Beginn dachte ich, dass es wahnsinnig entscheidend sei, wo wir unsere Stopps planen. Schnell jedoch stellte ich fest, dass nicht der Platz sondern die Menschen in deiner Umgebung deine Erinnerungen prägen. Sie bereichern dich am meisten, zeigen dir neue Sichtweisen, teilen ihre Geschichten und schleichen sich somit in deine eigene. Wir haben so viele interessante Menschen getroffen, welchen ich auch aus tiefstem Herzen danke, dass sie meine zehn Tage zu so einem speziellen und unvergesslichen Erlebnis gemacht haben. Angefangen hat unser Trip zu zweit, jedoch waren wir nach Tag Nummer eins schon nicht mehr alleine unterwegs. Es fanden sich immer wieder neue Mitfahrer 😉 Sie kamen aus aller Welt, waren oft alleine unterwegs und liessen sich genau wie wir, von den atemberaubenden Landschaften und den offenen Menschen verzaubern.

Ich sagte zu Beginn, dass ich viel über Zeit gelernt habe. Vielleicht werden einige von euch jetzt nicht verstehen, was ich genau damit meine, aber es ist einfach erklärt: Ich habe gelernt, wie wertvoll sie ist – wie verschwenderisch ich teilweise damit umgegangen bin und wie wichtig es ist, Zeit zu investieren in Sachen, Dinge, und Menschen die einem am Herzen liegen. Diese zehn Tage vergingen wie im Flug und es kam mir vor, als hätte ich nur einmal meine Augen kurz geschlossen, und mit dem Aufschlag der Wimpern, war der magische Moment auch schon wieder vorbei. Investiere – und du wirst reich belohnt.

Reisen ist das einzig Taugliche gegen die Beschleunigung der Zeit.

Thomas Mann

Die Reiselust hat bei mir eine neue Dimension erreicht und ich wünschte mir, dieses Feuer hätte sich schon früher in mir entfacht. Aber ich bin jung und ich habe das gesamte Leben noch vor mir – dieses Feuer und diese Gier nach mehr, wird sich nicht mehr stillen lassen. Die Pläne überschlagen sich und es ist nicht in Worte zu fassen, was es noch alles zu erleben gibt. Ich werde bestimmt keine Gelegenheit mehr missen, um andere Ecken der Welt zu sehen und neue Kulturen kennen zulernen. Geht! Erlebt diese wunderschöne Welt von ihren prächtigsten und auch traurigsten Seiten und lasst euch bereichern von Menschen, die eure Geschichte verändern werden! Glaubt mir: einmal am Duft des Reisens geschnuppert und schon hat es sich in eurem Kopf festgesetzt, wie ein Gedanke den man nicht mehr loswird!

Reisen veredelt den Geist und räumt mit unseren Vorurteilen auf.

Oscar Wilde 

Und mit diesen Worten wünsche ich euch allen, dass ihr mit genau dieser Liebe des Reisens konfrontiert werden und euch bereichern lassen dürft von all den wunderschönen Facetten dieser Welt!

PS: lest auch den Blogg von Janne. Sie beschreibt etwas genauer was wir alles erlebt haben 😉 Mehr Bilder findet Ihr auf meinem Facebook Profil!

https://jannecapetown.wordpress.com/2016/02/24/reisen-und-lernen/

 

 

 

 

Über Weihnachten und verstörende Fragen

Der Dezember ist auch schon wieder vorbei und der Moment, in welchem ich meine Halbzeit hier in Südafrika erreichen werde steht unmittelbar bevor. Kann bitte jemand für mich die Zeit für einen kurzen Moment festhalten? Jetzt nach Weihnachten und Silvester ist bereits das Jahr gekommen, in welchem ich wieder in die Schweiz zurückkehren werde und euch alle wieder sehe. Auf der einen Seite ein sehr schöner, jedoch auch wahnsinnig verstörender Gedanke. Bin ich schon so lange hier?

Verstörende Fragen

„Kannst du eigentlich auch weinen?“…

Manchmal treiben sie uns zur Weissglut, ein paar Minuten später zaubern sie uns das wunderschönste und herzlichste Lächeln aufs Gesicht. Manchmal möchten wir sie am liebsten vertreiben, ein paar Minuten später möchten wir sie an uns drücken und ihre bedingungslose Liebe in uns aufnehmen. Manchmal treiben sie uns durch einen unaufhörlichen Wasserfall von Worten beinahe in den Wahnsinn, ein paar Minuten später erzählen sie uns die spannendsten Geschichten über Träume, Wünsche und Fantasien.

Kinder sind Kinder – etwas was wir oft vergessen, jedoch eigentlich das Wichtigste überhaupt ist. Wir vergessen oft, was wir Kindern zutrauen dürfen und welche Ansprüche wir an sie haben dürfen, und welchen Anforderungen sogar teil Erwachsene nicht gerecht werden könnten. Wir vergessen, wie klein sie sind, wie viel sie noch lernen müssen und wie unschuldig sie geboren wurden. Sie sind nicht schuld daran, wenn wir bei der Arbeit einen schlechten Tag hatten, sie sind nicht schuld daran, wenn wir Auseinandersetzungen mit anderen erwachsenen Menschen haben. Sie lernen jeden Tag so viel, ohne das es uns bewusst ist. Wir haben teilweise dieselben Ansprüche an einen zwei Jährigen Jungen wie an einen sechs Jährigen. Dabei vergessen wir, dass die vier Jahre die zwischen ihnen liegen, mehr als nur ein grosser Schritt ist. Es sind Welten. Und trotz dieser Offensichtlichkeit der Situation, vergessen wir es. So stellt sich doch die offensichtliche Frage, wer dann der Schuldige und wer der Unschuldige ist?

„Kannst du eigentlich auch weinen?“…eine Frage der ich mich vor einiger Zeit stellen musste. Es ist eine komische Frage und ich hatte ein Lächeln im Gesicht als der kleine Junge mich mit grossen, erwartungsvollen Augen ansah, so als könnte er die Antwort kaum abwarten.

„Natürlich kann ich weinen, mein Schatz, jeder Mensch kann weinen.“, antwortete ich verwundert.

„Weinst du auch immer wenn dein Daddy dich schlägt?“

Eine Frage, die ihm so einfach über die Lippen ging. Es war ganz normal für ihn jemandem diese Frage zu stellen, schliesslich wollte er nur wissen, ob es anderen auch so geht wie ihm, oder ob wir die Tränen zurückhalten können wenn wir von unserem Daddy geschlagen werden.  So einfach ihm die Frage fiel, so schwer fiel mir die Antwort. Mir seiner Frage hatte er mir ein Brett direkt mit voller Wucht an den Kopf geschlagen und es bildete sich regelrecht ein riesiger Klumpen in meinem Hals, was mich für einen Moment absolut sprachlos machte. Was sollte man da antworten? Wahrheit oder Lüge? Ich entschied mich für die Wahrheit.

„Mein Daddy schlägt mich nicht, mein Schatz. Er hat mich noch nie geschlagen.“, flüsterte ich ihm leise zu und schloss ihn fest in meine Arme – schenkte ihm in diesem Moment all die Liebe, die ich von meinem Daddy immer erhalten hatte. Ein plumpes „Aha“ kam ihm noch über die Lippen und dann schmiegte er sich noch fester an mich. Die Tränen standen hoch in meinen Augen, als er sich nach ein paar Minuten aus meinen Armen löste um mit den anderen Kindern weiter spielten zu können.

Ob ich eigentlich Mutter und Vater habe, ist inzwischen eine fast schon „normale“ Frage. Oft wurde sie mir gestellt und ich fühlte mich dabei beinahe schlecht, als ich diese mit Ja beantwortete. Noch schlechter fühlte ich mich jedes Mal, wenn sie mir dann mit einer Selbstverständlichkeit erklären, dass sie nur noch einen Elternteil haben, oder auch gar niemanden mehr.

Ich wusste im Vorfeld, dass ich in einem Heim arbeiten würde für Kinder, welche  teilweise schwer misshandelt wurden oder auch noch ganz andere Schicksale erlitten, welche ich jetzt hier in meinem Blogg nicht bekannt geben werde. Ich kann euch nur sagen, dass es Schicksale sind, die ich – wie man so schön sagt – nicht einmal meinem schlimmsten Feind wünschen würde. Und wer jetzt denkt dass ich nur eine Neigung zu melodramatischen Geschichten habe, irrt sich gewaltig. Nehmt euch eine Auszeit vom schönen Alltag in der Schweiz und kommt her – guckt‘s euch selber an, hört euch die Geschichten selber an, guckt diesen Kindern dabei in die Augen und schenkt ihnen die Liebe die ihnen bis dahin verweigert wurde und dann wisst ihr, was ich meine und dass die Situationen eigentlich noch schlimmer sind als ich sie in Worte fassen kann.

Kulturschock

Ja, ich hatte meinen Kulturschock. Nach etwas mehr als drei Monaten hatte ich mein persönliches Tief erreicht. Ich fühlte mich ausgezerrt, erschöpft von all diesen Strapazen der vergangenen Monate und gereizt ab jeglichen Situationen, die mich so viel Kraft gekostet hatten. Ich hatte kaum mehr Energie, mich anständig auf meine Arbeit zu konzentrieren, war oft genervt ab Menschen in meiner Umgebung, obwohl mir diese eigentlich gar keinen handfesten Grund für meinen Ärger gaben. Die obengenannte Situation passiert mir oft mit ganz verschiedenen Fragen und diese lagen mir sehr schwer im Magen nach dieser Zeit. Mir ist sicherlich bewusst, dass dies eine normale Reaktion ist, welche wahrscheinlich jeden Menschen einmal einholen wenn er eine so lange Zeit von zu Hause weg ist. Du bist nicht mehr in deiner gewohnten Umgebung, deine Lieblingsmenschen fehlen dir. Ich wollte jedoch nie nach Hause, auch nicht in dieser etwas schwereren Zeit. Ich fühlte mich einfach schwer und meine Motivation für die Arbeit zum Beispiel sank. Jetzt jedoch nach ein paar freien Tagen, vielen interessanten Gesprächen, einem verlängerten Wochenende in einem gemieteten Apartment, bin ich wieder vollgetankt mit neuer Energie und fühle mich den Herausforderungen bei der Arbeit wieder gewachsen.

Byebye, my little princes

Der Dezember war ein schwerer, trauriger Monat. Aus uns nicht exakt bekannten Gründen mussten jegliche Jungen welche älter als zwei Jahre sind, unser Kinderheim und ihr bis dahin gewesenes zu Hause verlassen. Jede Woche hiess es wieder Abschied nehmen von meinem dieser wertvollen Jungen und ja, es brach mir teilweise fast das Herz. Ein paar von ihnen viel es leicht zu gehen, anderen jedoch auch wahnsinnig schwer was sie mit riesigen Krokodils tränen und langen, liebevollen Umarmungen zum Ausdruck brachten. Sie wurden teilweise in neuen Familien untergebracht, gingen zu Familienangehörigen zurück oder wurden in ein anderes Kinderheim gebracht.  Ob dies eine faire und richtige Entscheidung war, darüber lässt es sich streiten. Teilweise bin ich mir bei den Jungen nicht wirklich sicher, ob sie an einem guten Platz gelandet sind und ob es nicht vielleicht klüger gewesen wäre, ihnen nicht ihr zu Hause zu entreissen. Aber ich bin nur ein Volunteer und meine Stimme zähl in einer solchen Entscheidung nicht. Ich vermisse die Jungen auf jeden Fall bereits jetzt. Klar ist es ruhiger jetzt wo sie nicht mehr da sind, aber ich vermisse diese Herausforderungen, vor welche sie mich gestellt hatten. Sie waren immer aktiv, frech, aufgestellt und trotz der teilweise sehr schwierigen Situationen die ich mit ihnen erlebt hatte, liebte ich sie sehr.

Weihnachten

Weihnachtsgefühle sind bei mir definitiv den ganzen Dezember nicht aufgekommen. Auch als der Monat bereits den vierundzwanzigsten zählte, schien es mir immer noch fremd zu sein, denn ich lag schliesslich am Strand, bräunte mich und musste aufpassen, mir nicht den Sonnenbrand meines Lebens zu holen. Wir hatten am Freitag, dem 25. Dezember,  einen Lunch mit unserer Gastfamilie. Meine Gastmama Cheryl hatte bereits die ganze Woche vorgekocht und dementsprechend könnt Ihr euch vorstellen, dass niemand zu kurz kam, geschweige denn hungrig vom Tisch gehen musste – im Gegenteil. Zu meiner Überraschung wurden jedoch keine Geschenke ausgetauscht und nach diesem kurzen Lunch und etwa zehn Stunden Weihnachtsmusik, war der ganze Weihnachtsspuk dann auch schon wieder vorbei. Es war anders als in der Schweiz und das war mir auch wichtig, dass einmal zu erleben, aber ich muss zugeben, dass ich die Weihnachtszeit mit den kalorienreichen Keksen, den verschneiten Bergen und dem heissen Tee vor dem Feuer im Kamin mehr mochte 😉

Letzten Sonntag wurden dann jedoch das neue Jahr und auch noch ein bisschen Weihnachten mit der Familie meines Gastvaters gefeiert. Dies war eine ziemlich grosse Angelegenheit, da André acht Brüder hat, welche alle mit Ehefrau und Kindern (Inzwischen jedoch teilweise auch schon über 30 Jahre alt und haben bereits eigenen Nachwuchs dabei)  kamen.  Wir genossen einen wunderschönen sonnigen Sonntag zusammen mit gutem Essen, lauten und intensiven Gesprächen.

Und damit war’s das mal wieder von mir, zum Schluss habe ich unten noch ein paar Bilder angefügt! Habt noch einen schönen Rest der Woche, passt auf euch auf und bis bald meine Lieben!

Much love xxx

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Meine Gastfamilie. Schwester Danielle, Mama Cheryl, Papa André, Mitvolunteer Leonie und Tessa (v.l.n.r.)
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Marit (Deutschland), Janne (Deutschland) und Nikole (Los Angeles) (v.l.n.r.)
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Staff des Babydepartments
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Tafelberg
das da
Der Mullers-clan! Alle Brüder meines Gastpapas!
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My little prince J.

 

Glück im Unglück und Schutzengel

„Jetzt habe ich zumindest ein Thema für meinen nächsten Blogg..“

Ein Gedanke der mir am letzten Sonntag um ca. zwölf Uhr mittags zwischen Mzolis und Gugulethu durch den Kopf schoss. Das Herz schlug schnell, der Schweiss fühle sich kalt und gleichzeitig heiss an, der Schock sass tief. Ich hatte mich auf dem Beifahrersitz ganz klein gemacht und die Tränen schossen mir gerade aus den Augen und ergossen sich über meine Wangen als ich kreiden bleich in den Rückspiegel schaute und das grinsende Gesicht des Verursachers dieser Situation erblickte. Es ist schwer zu beschreiben was ich in diesem Moment gefühlt hatte. Auf der einen Seite verfluchte ich den Mann das er mir meines Eigentums beraubt hatte und auf der anderen Seite war ich einfach nur froh, hatte er sich damit zufrieden gegeben.

Einige Sekunden verliessen meine Mitfreiwilligen und ich mit unserem Auto (ja wir haben endlich ein Auto! aber dazu später mehr)über eine Ausfahrt die Autobahn. Wir waren auf dem Weg nach Mzolis, ein Ort wo man sich trifft um zusammen zu essen, zu lachen, Zeit vergehen zu lassen und den Moment zu geniessen. Jedoch endete dieser Tag für mich nicht wie erhofft und die Entspannung konnte ich mir gerade irgendwohin stecken.

Da fuhren wir also, die Scheiben heruntergekurbelt um der beinahe unerträglichen Hitze im Auto zu weichen. Die Musik war aufgedreht – ja, wir waren wahnsinnig gut gelaunt und vielleicht genau aus diesem Grund leichtsinnig. Die Ampel schaltete auf Rot und da standen wir also. Wir waren nicht die einzigen Fahrer, die an diesem Tag um die genau selbe Zeit an dieser Ampel standen und darauf warteten, dass der kühle Fahrtwind uns endlich wieder erfrischte.

Ich sah ihn viel zu spät. Ich bemerkte den Mann erst, als er bereits neben mir an der Tür stand. Er redete auf mich ein jedoch in einer Sprache die ich nicht verstand und sah mir dabei direkt ins Gesicht. Erst als er seinen Blick abwendete und ich diesem folge, wurde mir die Situation schon bewusst. Ich begann bereits mich selber zu verfluchen und versuchte noch so schnell wie möglich zu reagieren. Aber er war schneller als ich.

 

Kennt ihr das wenn ihr denkt „man bin ich klug“? Ich hatte am Morgen ganz bewusst meinen Führerschein und meine Schweizer Idenditätskarte NICHT in mein Portemonnaie gepackt und zwar aus dem simplen und ebenso klugen Gedanken heraus „was mache ich wenn sie mir das Portemonnaie klauen?“. Naja Lou, die Logik war grundsätzlich nicht schlecht, jedoch hattest du einfach genug Pech dieses Wochenende. Ich packte also mein wichtigstes Dokument (den Führerschein) und die andere Karte in meine Handyhülle. Naja, der Abschied von meinem Führerschein muss ich zugeben war wohl der schwerste.

 

Der Mann hatte mein Handy in meinem Schoss entdeckt. Es lag in meiner Hand, geöffnet war Google Maps, auf welches wir hier in Kapstadt halt trotzdem immer noch sehr angewiesen sind. Es war für ihn die perfekte Gelegenheit und diese schafft ja bekanntlich Diebe – ich hatte es ihm auf dem Silbertablett serviert. Und genau so eine Kurzschlussreaktion wie auch der Junge in meinem letzten Blogg hatte, hatte auch dieser Mann. Ohne nur einen Moment zu zögern griff er durch das offene Fenster nach meinem Handy und riss es mir aus der Hand. Ein kurzer Schrei entfuhr mir, mehr kam nicht. Er war bereits weggerannt in seinen blauen Jeans, seinen schönen Turnschuhen und seinem sauberen Shirt. Er sah nicht wie ein Mann, der es wirklich brauchte, und trotzdem hatte er es getan. Ich brauchte meine fünf Minuten bis mein Hirn die Situation erfasst und verarbeitet hatte. Klar weinte ich im ersten Moment, obwohl ich jetzt nicht sagen kann ob es der Schock war welcher mir Tränen in die Augen jagte oder der Verlust von Handy und den Dokumenten.

Ich wusste jedoch sehr schnell, dass ich keinen Grund hatte zum Weinen. Ich lebte, ich hatte keine Wunde, keinen Kratzer – gar nichts. Also lieber dem Schutzengel danken, anstatt den Mann zu verfluchen – was brachte es mir auch? Ich hatte so viele genau solche Geschichten gehört, bei denen Menschen teilweise sehr schwer verletzt wurden und das elektronische Ding bestimmt nicht mein Leben. Es ist ein materieller Verlust und ärgerlich, jedoch kein Grund sich die Laune für den ganzen Tag verderben zu lassen.

Ja es war vielleicht ein Schritt zurück, aber es war für mich persönlich ein riesen Fortschritt. Ich weiss jetzt wie es sich anfühlt, ich bin vorsichtiger geworden und ich habe gelernt.

Reich ist man, wenn man etwas hat, dass mehr Wert hat als materielle Dinge.

Ich sah ihn nur an, als er schliesslich an einem Hang zum Stehen kam und schenkte mir das wohl frechste Grinsen dass ich je gesehen hatte. Er wusste, dass er gewonnen hatte. Ich hätte ihm jedoch gerne ein genauso freches Lächeln zurückgegeben, als er sich mein Handy genauer angeguckt hatte. Dass oben am Bildschirm sicherlich der halbe Display fehlte und die Spalten sich quer über das ganze Glas zogen ist sicherlich keine Preiserhöhung 😉 zum Raube lächeln, heisst den Dieb bestehlen. Also mein lieber südafrikanischer Dieb: hoffe du kannst mein kaputtes IPhone teuer verkaufen – have fun

 

Und ja, wir haben uns jetzt endlich ein Auto gemietet. Man erlebt Kapstadt noch mal ganz anders wenn man nicht mehr auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen ist, sondern einfach fahren kann wie es einem gerade bekommt. Wir planen jetzt immer mehr Tagesausflüge und geniessen das flexible Leben mit einem Auto!

Ich wünsche euch einen schönen Rest der Woche and be safe! Much Love :*

 

Früchte der Kindheit – Vorbild sein

Kurzschlussreaktion – in einer Kurzschlusshandlung bestehende Reaktion. Ein Gedanke der schneller durchs Gehirn schiesst als üblich und sofort ausgeführt wird. Unüberlegt und eine Handlung aus dem Affekt einer Situation. Kann harmlos aber auch dramatisch sein und den Denker in eine je nachdem gänzlich schlechte Lage bringen. Natürlich ist mir bewusst, dass Kurzschlussreaktionen auch positive Nachwirkungen haben können – darum geht es jedoch leider in meinem Bericht jetzt nicht.

Wir alle kennen dieses Gefühl der Kurzschlussreaktionen. Sie passieren oft wenn wir uns streiten, wenn wir uns bedroht fühlen in unserem Umfeld oder unsere körperliche Sicherheit als gefährdet wahrnehmen. Teilweise bereuen wir schon nach wenigen Sekunden unsere Worte oder unsere Taten und werden uns der Lage erst nach einigen Minuten bewusst. Wie verletzend wohl die Worte waren, welche wir gerade aus dem Affekt unseren Liebsten an den Kopf geworfen haben?

Der Grund warum ich jetzt so ausführlich über das Auftauchen einer Kurzschlussreaktion schreibe, hat einen geschichtlichen Hintergrund. Täglich müssen meine Mitfreiwilligen und ich einen kurzen Weg zu unserem Arbeitsplatz zu Fuss zurücklegen – und nein, wir haben keine andere Wahl. Er führt entlang von mehreren Häusern und grossen, vielbefahrener Hauptstrassen. Bisher hatten wir nie das Gefühl einer Bedrohung oder einer Gefahr verspürt, wir fühlten uns beschützt durch den wirren Verkehr und die anderen Menschen auf den Gehwegen. Aber eigentlich hatte uns unsere Gastmama bereits erzählt, dass die Augen gerne mal verschlossen werden um sein eigenes Hab und Gut zu schützen.

Ich lief nur wenige Schritte hinter meinen Mitfreiwilligen, als mich etwas in meinen Fuss pikste. Ich hielt an, duckte mich um diesen Grashalm aus meinem Schuh zu entfernen und beachtete zuerst den Schatten nicht der neben mir auftauchte. Ich wirbelte herum als plötzlich jemand wie wild begann an meinem Bag zu reissen und mit voller Kraft versuchte mir diesen zu entreissen. Meine Kurzschlussreaktion war, meinen Arm nach hinten zu schleudern, um den Angreifer ab zu weheren – ich schlug ins Leere. Und diesen Moment werde ich wohl so schnell nicht mehr vergessen, was ich dann erblickte. Ich hatte mit einem erwachsenen Mann gerechnet, welcher mir jetzt mühelos meinen Bag von den Schultern reisst und sich hoffentlich damit zufrieden gibt.

Stattdessen senke ich meinen Blick und gucke einem wohl nicht mal zehn Jahre alten Jungen ins Gesicht. Er schaute mich mit einem überraschten und teilweise auch entsetzten Blick an, durchbohrte mich richtig mit seinen grossen fragenden Augen, warum der Bag jetzt nicht von meinen Schultern gelöst hat und er damit wegrennen konnte. Ich stand da und wusste nicht wie ich reagieren sollte. Im Affekt hatte ich ihn auf Schweizerdeutsch angeschrien und verflucht, aber als ich für eine Sekunde in sein immer breiter werdendes Grinsen blickte, empfand ich bereits Reue. Seine Augen verrieten mir, dass dies nicht nur ein Streich war – er wollte meinen Bag. Trotz seines scharfen Blickes wollte ich diesem Jungen nichts Böses, wahrscheinlich genau so wenig wie er mir. Schliesslich rannte er weg und blieb an der nächsten Ecke stehen. Er guckte zu mir zurück und sein Grinsen verschwand mit ihm hinter der nächsten Wand.

Ich stand da, meinen Bag in der Hand, absolut regungslos und wie angewurzelt an den sandigen Boden. Zu perplex auch nur einen klaren Gedanken zu fassen oder mich wieder in Bewegung zu setzen und den Weg weiter zu laufen. Zu tief sass in diesem Moment der Schreck und das Entsetzten über diesen Jungen in meinem Kopf – ein Gedanke welcher mich dann noch durch den ganzen Tag beschäftigte – wie ein Virus hatte er sich in meinem Hirn platziert und breitete sich immer weiter aus.

Was bewegte diesen Jungen dazu, mir meine Tasche weg zu nehmen? Mir ist bewusst, dass Kinder teilweise Neid empfinden auf das Eigentum anderer Menschen – was leider nicht nur diese Generation betrifft, sondern jegliche Altersstufen der Menschheit. Aber ich halte mich weiterhin an einer Theorie über die Unschuld eines Kindes fest – ich glaube daran, dass jedes Kind geformt wird in seiner Kindheit. Geformt durch das physische und psychische Verhalten der Eltern und Familienmitglieder gegenüber den Mitmenschen, geformt durch Verhaltensweisen welche in Situationen angewandt und schliesslich auch auf das Kind übertragen werden und geformt durch Wortschätze welche nachgesprochen werden. Kinder nehmen die Definition von Falsch und Richtig von ihren Eltern auf, was teil Erwachsenen nicht bewusst ist. Sie fassen auf was man sagt, sie ahnen nach was man vorgaukelt und nehmen Mama und Papa als Vorbilder. Aber es hätte mich nicht überraschen dürfen, dass dieser kleine Junge von seinen Eltern etwas anderes beigebracht bekommen hatte als ich als kleines Mädchen in einer behüteten Familie. Ihm wurde beigebracht, wie man sich etwas holt was einem nicht gehört und mir, dass ich anderen Kindern das Spielzeug nicht wegnehmen darf. Welche starke und anscheinend ausweglosscheinende Verzweiflung müssen Eltern verspüren um ihren Sohn auf solches zu trimmen und ihn los zu schicken um mit ein paar Geldbeuteln nach Hause zu kommen. Viele schicken ihre Kinder los, nicht nur um zu stehlen, sondern auch um zu betteln. Sie gucken dich dann mit ihren grossen kugelrunden Knopfaugen an und fragen dich, ob du ihnen nicht etwas Geld hättest. Im Hintergrund siehst du die bösen Blicke der Mutter welche nur darauf wartet, dass das Kind dich weich kriegt.

„Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen.“ Deutsches Sprichwort

Diese Situation zeigte mir einmal mehr, dass ich ein gutes Vorbild sein will für Kinder die michkennen lernen. Dass ich meinen Mitmenschen zeigen will, dass ich mich bemühe darum, ein guter Mensch zu sein und mich nicht von der Gesellschaft um mich herum, beeinflussen und zeichnen zu lassen. Klar entscheidet schlussendlich auch jedes Kind selber, welchen Weg es gehen will, aber es können Grundsteine gelegt werden, worauf das aufbauen eines guten Weges einfacher ist. Sie hören, sehen, fühlen und spüren – sie kopieren. Auch im Königshaus lernt man genau wie die Affen: man beobachtet die Eltern. Und was ich hier definitiv gelernt habe: Kinder lernen mehr durch Vorbild als durch Kritik.

Immer wieder wird mir gezeigt, wie wichtig die Kindheit für das gesamte Leben ist und wie viel Wunderschönes aufgebaut werden kann, jedoch auch, wie viel bereits in den ersten Jahren des Lebens zerstört werden kann.

Denkt daran, Kinder können Falsch und Richtig nicht unterscheiden und sie werden tun, was ihnen gezeigt wird!

„Nicht der Besitz an materiellen Gütern erhellt die Kinderjahre, sondern die Liebe und Gemütsfassung der Eltern.“ Rudolf von Tavel

An dieser Stelle ist es schön zu sehen, dass du meinen Blog bis zum Ende gelesen hast!

Much love xxx

Zwei Monate fliegen

Ein Bericht über das fliegen der Zeit…

Schon zwei Monate ist es her dass ich meine Heimat verlassen, Freunde und Familie zurück gelassen habe und mich in ein unbekanntes Abenteuer stürzte. Kennt ihr das Gefühl von Ewigkeit? Von Tag zu Tag rinnt Sand durch die Sanduhr, jedes Korn Einzel. Guckt man immer hin, hat man das Gefühl als würde der Sand kaum mehr werden im unteren Behälter. Konzentriert man sich jedoch auf anderes und schaut später hin wird einem bewusst, wie voll das untere Glas bereits ist. Mir fehlen gewisse Menschen sehr, was wohl der Grund ist, wieso mir die Zeit so endlos vorkommt. Auf der anderen Seite, entwickle ich mich hier von Tag zu Tag weiter und werde gross. Die Zeit rast.

Ich wurde hier auch oft gefragt, ob ich Heimweh habe. Das lustige ist, dass ich diese Frage nicht beantworten kann, zumindest nicht mit Ja oder Nein. Ich lerne hier eine neue Definition von Heimweh kennen. Bisher verband ich den Schmerz nach dem zu Hause immer mit dem Verlangen nach meinen Eltern. Als Kind weinte ich mir in den Schullagern oft die Augen aus dem Kopf und wollte nur noch nach Hause zu Mama und Papa. Hier jedoch erkenne ich, dass das Wort „Heimweh“ eine viel tiefere Bedeutung hat. Man kann auch Heimweh nach anderen Dingen, Situationen, Gefühlen oder Gesprächen haben. Alltägliches. Ich vermisse gewisse Selbstverständlichkeiten wie zum Beispiel, dass ich ohne einen Moment zu überlegen nachts durch Bern laufen kann, dass ich ohne einen Gedanken zu verschwenden nach Hause laufen kann, dass ich abends draussen sitze mit meinen besten Freundinnen und über Gott und die Welt diskutiere, die Lasagne von meinem Papa geniessen kann und meiner Mama einen dicken gute Nacht Hug geben kann. So erlebe ich hier Heimweh. Und vielleicht ist ein verborgener Sinn des Reisens auch, Heimweh zu haben.

Der Sommer kommt und die Kultur Südafrikas kommt langsam immer mehr zur Geltung. Die Menschen gehen raus auf die Strasse, Märkte erblühen, Strassenfeste erwachen, die Strände füllen sich (wuuunderschöne weisse Strände, das Wasser ist jedoch noch eiskalt) und das Schokoladeneis verklebt den Kindern Mund und Hände. Man hat das Gefühl, dass die Stadt aus dem Winterschlaf erwacht. Wir waren oft draussen mit unseren Kindern und ich wurde beim Rutschen fahren richtig in meine Kindheit zurück versetzt. Hunderte Male auf und ab und wieder rauf und nochmal runter rutschen (Chapeau an dieser Stelle an meine Eltern – ist verdammt anstrengend drei Stunden lang auf und ab und wieder hoch und runter). Wir spielten Spiele mit Stöckchen und Steinen (das einzige was halt da ist) und ihr könnt euch kaum vorstellen, was man so alles für Spiele spielen kann mit zwei kleinen Steinen. Kreativität ist gefragt. Und mein Grinsen wird breiter, wenn mir ein Kind kleine Steinchen in die Hand drückt und sagt, dass dies jetzt mein Geld sei und ich jetzt bei seinem Laden einkaufen soll. Er verkaufte mir dann einen Zauberstab (ein kleiner Ast) und eine Tafel Schokolade (ein weiterer etwas grösserer Stein). Der Fantasie soll schliesslich keine Grenzen gesetzt werden.

Ich freue mich zumindest sehr auf die nächste Zeit mit den Kindern am Strand im sehr sommerlichen November. Inzwischen wurde es auch einfacher mit den Kindern zu arbeiten. Sie haben mich und die anderen Volunteers jetzt akzeptiert und teilweise habe ich bereits eine enge Bindung zu ein paar von ihnen aufgebaut. Man soll ja keine Lieblingskinder haben, aber man verliebt sich halt in gewisse Kinder, ohne sich das bewusst zu sein. Oder könnt Ihr mir sagen, dass ihr wiederstehen könntet wenn ein kleines Mädchen jeden Morgen auf dich zu rennt und dich „Mama“ nennt? Denke nicht. Ich geniesse jede Umarmung und erfreue ab jedem neuen Wort dass die Kinder lernen.

„Nimm dir Zeit, Zeit zu haben, lache, liebe, lebe und weine auch mal, aber sei immer mit Herz dabei.“

Vorletzten Freitagabend war Kinoabend. Kurz in die Promenade fahren (5min) und uns einen entspannten Film über einen Sternekoch und seinen Aufbau eines neuen Courmetrestaurant angucken. Soweit war alles gut. Jedoch kamen wir danach aus dem Film raus und es war 00:15 Uhr. Wir bestellten uns ein UBER-Taxi (diese Taxis werden hauptsächlich von Studenten und älteren Leuten gefahren, welche sich etwas dazu verdienen wollen -> also eine sehr gute Sache). Jedoch war diese Bestellung schwerer als gedacht. Alle Fahrer lehnten uns ab, weil der Weg sich für sie nicht lohnte. Und genau da kommt mein Heimweh wieder zur Sprache: in der Schweiz hätte ich es mir kaum fünf Minuten überlegt und wäre einfach losgelaufen. Mhm genau…drei Deutsche Frauen und eine Schweizerin. Gute Kombination um ein Uhr Nachts entlang der Slums und durch die Gangsterkriege nach Hause zu laufen -> kurze Zwischenfrage an die Sicherheit in der Schweiz: Wo bist du?! Wir sassen schliesslich mehr als 2 Stunden vor dieser Mall und die Stimmung kippte langsam aber sicher. Die UBER Taxifahrer lehnten nach wie vor ab, was ein ziemlich grosses Problem darstellte wenn man nicht mal mehr Airtime hat, um ein normales Taxi zu rufen. Schliesslich wurde ein wild Fremder Mann zu unserem Retter. Er rief ein Taxi für uns, welches uns schliesslich um halb drei Uhr Nachts sicher zu Hause absetzte. In Momenten wie diesen rege ich mich darüber auf, in welchem Stadtteil von Kapstadt ich untergebracht wurde.

Samstagabend vor einer Woche war das Halbfinale der Rugbyweltmeisterschaft. Die All Blacks aus Neuseeland forderten die Springboks aus Südafrika heraus. Ich schaute mir das Spiel zusammen mit den anderen Freiwilligen in der Longstreet (DIE Partymeile Kapstadts) an. Dieses Feeling der Einheimischen ist kaum in Worte zu fassen. Wir Schweizer denken wir feiern wenn ein Sportler unserer Nation eine gute Leistung erbracht hat…wir täuschen uns! Aber gewaltig! Ihr hättet diese Südafrikaner/innen sehen sollen wenn ein Spieler einen Run gemacht hat. Gläser flogen beinahe durch das Lokal, getanzt wurde nicht nur auf dem Boden, küssen, umarmen, schreien, lachen…ein riesen Fest! Trotz der Niederlage (18-20) liessen sich die Südafrikaner die Stimmung nicht nehmen. Die Springboks hatten eine super Leistung erbracht (denke ich zumindest – verstehe ja kaum was von diesem doch sehr aggressiven Sport) und hatten nur knapp gegen die Weltbesten verloren.

Diesen Samstag hat Neuseeland dann schliesslich die Weltmeisterschaft gegen Australien gewonnen für die, die gerade nicht so im Rugbyfieber waren und das nicht wussten 😉

Ich wünsche euch allen eine schöne und erfüllte Woche mit vielen Momenten, wo ihr an die Nächstenliebe denkt, welche ich immer wieder versuche, an euch weiter zu geben. Schon mal daran gedacht, dass man Essen welches man im Restaurant nicht fertig essen mag, einpacken könnte und an Bedürftige weiter geben kann? Eine von vielen kleinen, jedoch wahnsinnig geschätzten Gesten.

„Man kann die Augen schliessen und trotzdem geschehen Dinge, man kann schreien, und trotzdem wird man nicht verstanden, man kann weinen, und trotzdem ändert sich die Situation nicht, man kann versuchen zu vertrauen, und trotzdem enttäuscht werden, man kann versuchen zu vergessen, und trotzdem bleiben schmerzende Erinnerungen, man kann vor Problemen in Träumen flüchten, und trotzdem wacht man immer wieder auf, man kann versuchen zu lachen, und trotzdem bleibt man traurig, man kann resignieren, sich selbst zerstören, doch man kann auch versuchen aufzustehen, aufzustehen und zu kämpfen…“

Much love xxx

Travel – Freedom – Love

Meine lieben Freude
Bitte entschuldigt meine Verspätung. Ich hatte viel um die Ohren und es könnte gut sein, dass meine Bloggs auch in Zukunft nicht pünktlich jeden Sonntag erscheinen werden – aber ich muss mich schliesslich der Pünktlichkeit der Südafrikaner anpassen 😉
Gerne würde ich meinen Bericht mit einem Zitat eines Rugbyspielers beginnen:
„Cape Town is one oft he most beautiful cities in the world where diversity is one oft he significant ingredients. The different cultures all bring unique flavors to the city. Living in a multicultural city it’s taught me to not classify people in my mind.“ Khanyo Ngcukana
Ich bin angekommen – mit Herz und Seele. Von Heimweh bisher keine Spur. Ich gewöhne mich an meinen Alltag, an die Menschen, an die Umgebung und an die doch sehr grossen Unterschiede zu der Schweiz. Immer tiefer lassen mich die Menschen hier in die südafrikanische Kultur einsehen und zeigen mir was es bedeutet, Südafrikanerin zu sein. Ich gewöhne mich daran, ein bunter Hund zu sein – angeglotzt (man kann’s nicht anders nennen) zu werden, mir von wild fremden Menschen eine Moralpredigt anzuhören bezüglich der Sicherheit und der Kriminalität, immer angesprochen zu werden, was um Gottes Willen mich denn nach Mitchells Plain geführt hat und einfach anders auszusehe als die Einheimischen. Solche Aussagen wie „Ihr lauft doch jeden Morgen dort über das Feld“ oder „Ihr wartet jeden Morgen an der Bushaltestelle“ können schon erschreckend sein – die Menschen hier kennen uns, wir sie jedoch nicht. Aber wie gesagt, ein violetter Hund würde mir auch jeden Morgen auffallen, wenn er auf den Bus wartet. Gleichzeitig wird einem jedoch auch eine wahnsinnige Höflichkeit von diesen Menschen entgegen gebracht: sie halten am Strassenrand und fragen dich, ob bei dir alles ok ist. Die Gegensätze in Kapstadt sind erschreckend. Geht man über eine Brücke, kann sich deine Umgebung radikal verändern. Armut und Adel leben stark getrennt, geprägt von den verschiedenen Religionen und Lebenseinstellungen. Erneut wurde mir bewusst wie privilegiert ich aufgewachsen bin und wie liebevoll ich erzogen wurde.
„Irgendwo ist jemand glücklich mit weniger als du hast.“
Ich merke selber wie ich von Tag zu Tag einen grossen Schritt vorwärts mache – reich werde. Mein Englisch verbessert sich und langsam aber sicher verstehe ich auch das Englisch der Südafrikaner (ist so als würde der jemand Berndeutsch lernen, dann jedoch mit einem Walliser kommunizieren). Auch die Entscheidung, hier ein ganzes Jahr zu verbringen, erweist sich mir immer wie deutlicher als richtig. Wenn ich mir vorstelle, dass ich bald schon zwei Monate hier bin und dann beinahe die Hälfe des Aufenthalts hinter mir hätte, würde mich das sehr traurig machen. Schon jetzt redet meine Gastmama immer wieder davon, wie schnell meine Zeit hier vorbei gehen wird. Und ich merke schon jetzt, dass sie damit Recht hat. Aber jetzt komme ich vom eigentlichen Inhalt meines Blogs ab – ich will mich nicht schon jetzt beschweren, wie schnell alles geht.
Der Braai ist hier eine grosse Tradition. Es bedeutet „grillieren“ – zusammen sein, lachen, essen, Geschichten austauschen und im Moment vor allem die Rugbyweltmeisterschaften in London schauen. Die Menschen hier leben richtig für diesen Sport, jegliche Männer rennen nur noch im Trikot der Springboks (südafrikanische Nationalmannschaft) rum. Auch unser Gastpapa ist mir Leidenschaft dabei, welcher uns übrigens diese Woche wohl eine der grössten und zugleich lustigste Überraschungen bereitet hat. Ich habe glaube ich selten in meinem Leben so herzhaft, so laut und so lange gelacht die an diesem Tag. Kurze Einführung: da ja die Kommunikation zu Beginn nicht ganz einfach war, wussten wir (Tessa, Leonie und ich) nicht so genau wovon unsere Gasteltern sprachen, als sie von einem Umbau in unserem Haus sprachen. Wir wussten nicht was gemacht werden soll, wann es umgebaut wird und so weiter. Wir dachten uns nur: jaja geht bestimmt noch lange bis sie was machen.
Wir kamen letzten Montag nach Hause und im grossen Gemeinschaftsschlafraum von Tessa und Leonie war ein halbes Badezimmer eingebaut. Ohne Vorwarnung kamen wir nach Hause und hatten den wohl lustigsten Moment unseres Lebens. Eine Mauer, die vielleicht einen Meter hoch war, eine Toilette und ein Lavabo. Nächste Woche soll die Wand dann noch hochgezogen und der Boden mit Platten ausgestattet werden.
Wie Ihr merkt, geht es mir wirklich gut hier und ich fühle mich wahnsinnig wohl in der Kultur und Lebensweise der Südafrikaner/innen. Ich lebe in einer fürsorglichen Gastfamilie, liebe mein Projekt und habe bereits viele coole Locals getroffen, welche mich jeden Tag weiter belehren.
Und an dieser Stelle möchte ich mich herzlichst bei meinen Eltern bedanken, welche mich von der ersten bis in die letzte Sekunde der Vorbereitung immer unterstützt und mir die Umsetzung meines Traums ermöglicht haben. Ihr habt mir damit mehr geschenkt als nur ein Jahr im Ausland. Ihr habt mir wohl eine der wichtigsten Lektionen meines Lebens geschenkt. DANKE!
„Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“ Francis Bacon
Ich wünsche euch allen einen schönen Sonntagabend und eine wunderbare Zeit bis zum nächsten Blog! Erfriert mir bitte nicht in der Schweiz! Sonnige Grüsse aus dem bereits sommerlichen Kapstadt!

Der Weltverbesserer

Lieber Leser, liebe Leserin

Der erste Monat ist vorbei und da ich vorletzte Woche krank war, gab es von Ereignissen kaum was zu berichten (deshalb gab‘s auch keinen Blog). Ich hatte 3 Stunden auf einen Arzt gewartet, der mir dann 500 Pillen verschrieben hat – habe meine Wand das ganze Wochenende über angestarrt in der Hoffnung, dass sie mir ein Buch vorliest, mich heilen könnte oder ähnliches – die Decke intensiv studiert und festgestellt, dass diese insgesamt 15 farbige Felder beinhaltet in Rosa und Weiss. Mein Zimmer hat eine Türe gekriegt (!!!) und mein Schrank wurde zusammengeflickt. Im Grossen und Ganzem also eine sehr erfolgreiche und wahnsinnig interessante Woche (Daumen hoch).


Letzte Woche habe ich wieder zu arbeiten begonnen und wurde im Department 1 untergebracht für eine ganze Woche (Baby-Department). Neue bewegende und aufwühlende Geschichten, viele Tränen der kleinen Schätze, viel Geschrei und noch mehr Liebe und herzerwärmende Lächeln. Kinder sind gegangen und Kinder sind gekommen. Es ist schwer zu beschreiben, wie stark die Achterbahn der Gefühle bei mir für Verwirrung und Irritation führt.

„Wir tun unser Bestes für diese Kinder, geben jeden Tag alles daran, sie glücklich zu machen und ihnen Schutz zu bieten. Jedoch können wir trotzdem nicht beeinflussen, was sie schlussendlich aus ihrem Leben machen und wie sie ihren Weg weitergehen nachdem sie uns verlassen haben.“

Dies ist ein Zitat einer der Betreuerinnen in dem Kinderheim. Man will den Kindern nur das Beste mitgeben, jedoch kann man trotzdem nicht jemanden auf einen Weg zwingen und ihm die Definition von „Richtig“ und „Falsch“ einflössen (wenn diese überhaupt existieren würde).

Ich habe lange über diese und weitere Aussagen der Betreuerin nachgedacht.

Maybe his skin has a different color than mine...but who cares? I don't think that he has another heart.
Maybe his skin has a different color than mine…but who cares? I don’t think that he has another heart.

Ich dachte oft, mit viel Enthusiasmus und wenn alle mitmachen, kann man die Welt verändern. Ich wollte hier her kommen und naiv gesagt „die Welt zu einem besseren Ort“ machen. Und zwar schnell. Aber ich habe jetzt hier schon oft gemerkt, dass ich mir dort selber eine Illusion eingeredet habe und mich selber als einen Berg gesehen habe, anstatt als einen der einzelnen Steine, aus welchen der gesamte Berge besteht. Ich muss einsehen, dass viele Entwicklungen von Menschen viel mehr Zeit beanspruchen, als wir uns geben wollen. Im letzten Blogg habe ich die Kultur eines Landes mit einem Baum verglichen…also greife ich jetzt wieder auf dieses Sinnbild zurück: ein Samen wächst nicht von einem Tag zum andern zu einem gewaltigen, starken und tiefverwurzelten Baum heran. Er braucht Zeit um sich zu entwickeln, zu entfalten, um herauszufinden, wie er seine Äste entfalten kann und wie er seine Blätter so grün als möglich präsentieren kann.

Es braucht viel Zeit, viele Strukturen und Veränderungen in einem Land, bis man die Früchte ernten kann. Geduld, einen eisernen Wille und eine gesunde Portion Enthusiasmus muss mitgebracht werden, um dies passieren zu lassen und unterstützen zu können. Nichts Grosses wurde von einem Tag zum andern erschaffen (schliesslich brauchte auch Gott sieben Tage um die Erde zu erschaffen 😉 ).

Dies alles soll uns aber nicht daran hindern, in unseren eigenen Welten Veränderungen zum Guten vorzunehmen, uns in unserer eigenen kleinen Welt vorbildlich zu verhalten, andern zu helfen, andere zu unterstützen in ihren Problemen, die Mitmenschen ernst zu nehmen und ihnen zuzuhören. Dies ist der Anspruch, welchen ich heute nach langem Nachdenken an mich selber stelle. Und man soll die Ansprüche an sich selber nie zurückschrauben – egal wie viele Steine im Weg liegen und wie lange er auch scheinen mag. Das wäre der Anfang von Gleichgültigkeit. Aber man darf auch nicht verzweifeln an der Tatsache, dass uns manchmal die Hände gebunden sind und dass unsere Möglichkeiten teilweise beschränkt sind.

Vielleicht denkt Ihr jetzt, dass Südafrika mich traurig stimmt, weil man dies teilweise aus meinen Aussagen schliessen könnte. Aber genau das Gegenteil passiert hier mit mir: ich lasse mich berauschen und erfüllen von Eindrücken, Gesprächen, Erfahrungen, Emotionen und Momenten, die mir mein ganzes Leben lang niemand mehr nehmen kann. Ich lasse mich bereichern von lachenden Kindern, interessanten und aufschlussreichen Gesprächen und überwältigenden Landschaften. Ich habe das Gefühl, mich hier selber richtig kennen zu lernen und wisst Ihr was? Es fühlt sich gut an sich besser zu verstehen – zu verstehen warum man anders denkt als andere Menschen.  Ich erfahre viel über mich und auch über meine Kultur. Man lernt schliesslich oft etwas erst sehr gut kennen, wenn man den Gegensatz dazu erlebt. Ich würde mir sehr wünschen, dass auch Ihr alle diese Erfahrung machen könntet.

Ich will euch nur zeigen, dass man die Welt teilweise ein bisschen anders sehen muss, als nur aus der Sichtweise eines privilegierten Schweizers, der in einer relativ heilen Gesellschaft aufgewachsen ist. Ich versuche auch meine/unsere Kultur an die Menschen hier weiter zu geben – sie gieren richtig danach, auch unsere Kultur kennen zu lernen. Ich traf viele Einheimische welche mir viele interessante Fragen über die Schweiz stellten und die sich sehr für die kulturellen Unterschiede Schweiz-Südafrika begeisterten. Und ich kann euch folgendes verraten: es sind nicht nur 9‘000 km Entfernung wie es die Weltkarte besagt…es sind Welten – sowohl kulturell wie auch von der Distanz her.


Gestern (Samstag) haben wir uns der Herausforderung „Tafelberg“ gestellt. Wir sind ausgerüstet mit Turnschuhen (da ja niemand Wanderschuhe ins Gepäck genommen hat aus Gewichts- und Platzgründen) und viel Wasser am Fusse des Berges gestartet. Es ging steil bergauf und es war wohl das Workout meines Lebens. Es war mehr ein klettern als ein spazieren/wandern. Zu unserer Aufmunterung waren wir nicht die einzigen, die dieses Abenteuer etwas unterschätz haben. Unterwegs trafen wir viele Leute die genau gleich keuchten und schwitzten wie wir. Man kreuze immer wieder dieselben (mal sie eine Pause – mal wir eine Pause) und machte sich bereits darüber lustig, dass man wohl nie oben ankommen würde. In Schlangenlinien kam man dem Ziel näher, welches bereits von weit weg zu sehen war. Die Landschaft welche sich dem Auge bot, war so atemberaubend, dass man teilweise nicht nur aus Erschöpfung eine Pause machte sondern auch einfach um sich von diesem Moment berauschen zu lassen. Als das Ziel nach 2,5h verschwitzen, gekeuchten und im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubenden Stunden erreicht war, war dies ein beinahe unbeschreibliches Gefühl. Man blickte über die unendlichen Weiten des Meeres, bestaunte die Türkise Farbe der Küste und fragte sich, wie diese Berge wohl so wunderschön entstehen konnten. Es war ein Gefühl von Glück, Triumpf, Willenskraft, Freiheit und sogar Heimat. Ich fühlte mich so frei wie nie zuvor – diese Aussicht nennt man Freiheit. Wie als wäre mit einem Schlag meine ganzen Zweifel in der Vergangenheit weggeblasen – Zweifel an meinem Projekt Südafrika und auch Zweifel an mir selbst.

Ganz genau deshalb bin ich hier her gekommen! – dies war mein einziger Gedanke in diesem Moment!

Aussicht vom Tafelberg hinunter auf die Küste
Aussicht vom Tafelberg hinunter auf die Küste

Ich möchte nicht nur mich mit dieser Reise bereichern, sondern auch euch ein Stück davon mit auf den Weg geben. Vielleicht ist auch dies wieder eine Illusion…jedoch habe ich immerhin versucht einen weiteren Beitrag an eine etwas bessere und schönere Welt zugeben. Ich hoffe Ihr könnt ein wenig zwischen den Zeilen lesen und habt ein wenig Empathie, euch von meinen Berichten bereichern zu lassen.

Dankeschön habt ihr euch die Zeit genommen um meinen Blog zu lesen und jetzt wünsche ich euch allen einen guten Start in die kommende Woche! Auf weitere Abenteuer in der grossen weiten Welt!

PS: zurzeit planen ich und Janne (eine andere Freiwillige aus Deutschland, welche übrigens auch einen Blog schreibt in welchen ihr mal reinschauen solltet -> hier klicken) einen Roadtrip durch Südafrika! Geplant ist es einen Monat mit dem Auto an der Küste entlang zu fahren und zusammen das Land zu sehen! Aber da alles noch relativ vage ist, kommen genauere Infos dann wenn die Planung etwas fortgeschrittener ist 😉

Work in the Child Care Center

Meine Lieben
Kennt Ihr diesen Moment, wenn Ihr von einer Faszination gepackt werdet, welche euch nicht mehr loslässt? Das Gefühl von Neugier, Zuversicht und Freude auf ein noch ungelesenes Buch das ihr in den Händen haltet und Ihr es kaum abwarten könnt, jedes Wort und jede Zeile zu verschlingen? Genau so ergeht es mir in diesem Augenblick. Obwohl die Zeit hier teilweise still zu stehen scheint, vergehen die Tage wie im Flug.
Diese Woche habe ich angefangen in diesem Kinderheim (Baitul Ansaar) zu arbeiten, von welchem ich euch ja im ersten Blogg berichtet habe. Das Kinderheim befindet sich im selber Stadtteil wie ich wohne (Mitchells Plain) und ist in drei Abteilungen eingeteilt.
Departement Nummer 1: Babydepartement (Kinder bis zwei Jahre. Departement Nummer 2: Kleinkinddepartement (Kinder von zwei bis sechs Jahre). Departement Nummer 3: Schulkinderdepartement (Kinder von sechs bis zwölf Jahren). Wir Volunteers arbeiten nur in den ersten zwei Departements. Das dritte ist für uns unzugänglich, weil wir auch nicht die passenden Arbeitszeiten hätten, um uns um diese Kinder zu kümmern. In dieser Woche durfte jeder von uns in den beiden Departement vorbeischauen und nächsten Montag wird entschieden, wo wir dann definitiv eingeteilt werden für den Rest unseres Jahres.
Das Leben hat mich etwas an der kalten Schulter erwischt und mir einen ziemlichen Schlag ins Gesicht gegeben. Es ist schwierig in Worten zu beschreiben, was man alles sieht in den Augen dieser Kinder. Es ist eine Mischung mit einem bitteren Bei- und Nachgeschmack. Man sieht in die grossen und glücklichen Augen vieler kleiner Jungen und Mädchen und weiss trotzdem, dass ihr Start ins Leben undenklich schlecht war. Ich habe mir die Kultur eines Landes oft wie ein Baum vorgestellt. Man sieht oben die ganzen Äste und Blätter in seiner ganzen Fülle und Pracht. Aber schlussendlich ist für einen Baum nicht entscheidend wie weit seine Äste herausragen oder wie sattgrün seine Blätter sind, sondern wie tief seine Wurzeln reichen. Die Kinder eines Landes zeigen dir die kompletten Wurzeln ihrer Kultur und scheuen sich nicht davor, dir nicht nur die schönen Seiten zu zeigen. Sie sagen dir zwar nicht direkt, wie sehr sie verletzt wurden, aber Kindern schreien ihre Geschichten durch Verhaltensmuster nur so in die Welt hinaus.
Manchmal hätte ich gerne die Augen verschlossen und nicht hingesehen, aber ich zwang mich zum hin hören. Und teilweise packten mich diese Schicksale wie einen Alptraum in der Nacht. Es rüttelt einem wach und zwingt dich über all die Sachen nach zu denken, die du bisher zu missen geglaubt hast in deinem Leben. Hättest du das wirklich gebraucht oder wäre auch dies wieder einmal mehr ein Luxus gewesen, den du kaum mehr zu schätzten gewusst hättest? Wenn du siehst womit diese Kinder sich zufrieden geben, erübrigt sich die Antwort relativ schnell. Gerne würde ich euch allen für einen Tag meine Augen leihen, um euch zu zeigen wie verdammt gut es uns geht.
Erklär bitte dem Obdachlosen mit dem gelben Tuch, welcher sich in Kapstadt in einer Seitengasse in Kartons versteckt hält, wie ärgerlich es ist, wenn das bestellte Menu im 5-Sterne-Restaurant auch nur ein bisschen länger als fünf Minuten braucht, bis es dir dann auf dem Silbertablett serviert wird. Er küsste mir die Hände und lobte mich in den Himmel als ich Mitleid zeigte und ihm mein Brot hinhielt und ihm sagte, dass er es dringender brauche als ich. Genau diese Dekadenz macht mich zwischen den gebrochenen Kindern und den Obdachlosen Kapstadts wütend.
„Ich wünsche mir ein Leben von einer Person, die es schlechter hat als ich, um mir selber zu beweisen, wie gut ich es eigentlich habe.“ Mariemmé
Ich verlasse dieses Kinderheim täglich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es macht mich stolz und glücklich zu sehen, wie reich einem das Lachen eines Kindes machen kann. Jeden Tag bringen sie mich zum Lachen und schenken mir so ein Stück Unbeschwertheit. Gerne würde ich diese Herzlichkeit und diese Art und Weise sein Schicksal anzunehmen, über die Welt verstreuen und einige Leute damit vom egoistischen Denken erlösen. Der Mensch sollte ein paar Dinge mehr wie ein Kind sehen und mehr auf sein Herz hören, als immer nur Geld, Ruhm, Macht und Ehre hinterher zu jaulen. Sie sollten nach einem anderen Reichtum trachten, der einem im Leben definitiv weiter bringt als der Finanzielle. Und ich kann euch sagen, dass ich als eine der reichsten Menschen nach Hause kommen werde.
„Es sind nicht die äusseren Umstände, die das Leben verändern, sondern die inneren Veränderungen, die sich im Leben äussern.“ Wilma Thomalla
Trotz all diesen Schwierigkeiten in der ersten Arbeitswoche, fühle ich mich hier sehr wohl und freue mich jeden Tag neue Erfahrungen zu machen, neue Leute zu treffen und mich verändern zu lassen von alldem was um mich herum geschieht.
Ich wünsche euch allen einen guten Start in die neue Woche!
PS: zum Schutz der Kinder darf ich leider keine Bilder des Kinderheims hochladen. Wen es jedoch interessiert Bilder zu sehen, hat oben den Link zum Heim!

After one week…

Hai everybody 🙂

Eine Woche ist es her dass ich in den Flieger gestiegen bin Richtung Doha. Ein schmerzlicher Abschied von Freunden und Familie. Doch kaum war ich durch die Sicherheitskontrolle, hatte ich jegliche Sorgen bereits vergessen. Das Adrenalin stieg in mir hoch und ich wollte einfach nur noch gehen. Mitten in der Nacht erreichte ich dann schliesslich Doha, wo ich 2 Stunden im voellig unterkuehlten Flughafen verbrachte. Der anschliessende Flug (9,5h!) war sehr entspannend und schliesslich erreichte ich den Internation Airport Capetown um 10 Uhr morgens wo ich bereits Bekanntschaft machen durfe mit der Puenktlichkeit der Suedafrikaner. Eigentlich sollte mich dort jemand vom Volunteer Center abholen – doch irgendwie hatte das nicht ganz funktioniert. Nach 3h Wartezeit und ca zehn Anrufen auf jegliche Nummern die ich in meinen Unterlagen fand, kam schliesslich Kevin vom Volunteer Center und holte mich ab.

Im Einfuerungscamp lernte ich schliesslich die anderen Freiwilligen kennen, welche hier ein Jahr verbringen. Es sind alles sehr coole Frauen und ich glaube, dass ich mit Ihnen eine super Zeit haben werde in Kapstadt. In diesem Camp haben wir noch einmal ueber jegliche verschiedene Themen gesprochen, welche wichtig sind in Suedafrika. Sicherheit, Gesundheit, Transport und so weiter. Wir konnten Fragen stellen ueber unsere Gastfamilien, welche wir zu diesem Zeitpunkt zugeteilt bekommen haben. Wir thematisierten unsere Projekte und haben uns mit Problemsituationen auseinandergesetzt, welche im Projekt oder in der Gastfamilie entstehen koennen.

Am Mittwoch lehrten wir schliesslich unsere Gastfamilien kennen. Ich bin zusammen mit zwei anderen Volunteers bei den Mullers. Theresa und Leonie kommen beide aus Deutschland und ich bin froh, mich der Herausfordung nicht alleine stellen zu muessen. Die Mullers sind wahnsnnig liebe und tolle Menschen. Sie hatten bereits viele Volunteers und wissen daher, welches die normalen Startschwierigkeiten sind etc. Cheryl (die Mutter der Familie) ist Hausfrau, kuemmert sich um den Haushalt, kocht leidenschaftlich gerne und hat ein Herz aus Gold (unsere Campleiterin beschrieb sie folgendermassen: „she’s crazy friendly“ – und ja, das stimmt absolut). Der Vater der Familie heist Andre. Er ist Maler und arbietet tagsueber. Die beiden haben eine gemeinsame Tochter namens Danielle (sie ist 24 Jahre alt und wohnt noch bei ihren Eltern). Ich habe ein Einzelzimmer bekommen (klein aber fein) und Leonie 7und Theresa teilen sich ein Zimmer (gross und oho).

Am Donnerstag hatten wir einen Orientierungstag in unseren Projekten. Die Mitarbeiter des Volunteer Centers zeigten uns, wie man die Oeffentlichen Verkehrsmittel benutzt (ein Abenteuer sag ich euch) und wie wir zu unseren Arbeitsplaetzen gelangen. Bei den Taxis gibt es zwei verschiedene. Die einen sind diese Taxis wie wir sie in der Schweiz auch kennen. Die anderen sind die oeffentlichen Taxis – sogenannte Minibus Taxis. Sie starten wenn das Taxi voll ist (erlaubt = 15 Personen / effektiv im Taxi = 25 Personen) und steuern auf eine bestimmte Richtung zu. Wer raus will – schreit! Ein sehr effektives, simples und abenteuerliches System.

Am Freitag erkundeten wir das erste Mal Capetowns Nachtleben. Die Longstreet ist die bekannteste Strasse an welcher sich Bars und Clubs direct neben einander reihen. Alles ist wahnsinnig guenstig und die Afrikaner machen ihrem Ruf als „das Volk des Rythmuses“ alle Ehre. Die Menschen an der Longstreet sind von ihrer Herkunft her sehr verschieden – man hoert so ziemlich jede erdenkliche Sprache.

Auch ich werde mich der Herausforderung einer neuen Sprache noch stellen. Hoffe schlage mich nicht al zu schlecht mit Afrikaans.

Jetzt wuensche ich euch allen eine angenehme Woche und eine gute Zeit! Bilder folgen bald und weitere Geschichten ebenfalls!

Don’t wait for the perfect moment. Just take it and make it perfect.